Unser Blog

Lern-Konzepte und -Trends, von denen Ihr Geschäft profitiert

Lehren ohne Lehrer: Wie man Lernende befähigt

Gepostet von Dave Coodin am 21.10.2016 15:42:57

Vor meiner Zeit als Instructional Designer verbrachte ich Jahre im Klassenzimmer als College- und Universitätsdozent. Dabei gab es so einige Dinge, die ich nie vermissen werde: die unregelmäßigen Zeiten, die einen verrückt machen können; die Erstsemester, deren Einstellungen von Tracy-Flick-begeistert bis Jeff-Spicoli-abgestumpft reichen; und das Korrigieren, das sich wie psychisches Narbengewebe in einem ansonsten gesunden Gehirn anzuhäufen neigt.

Aber trotz allem Lang-arbeiten-für-kleines-Gehalt Murren war es ein großartiger Job und ich liebte es. Auch wenn (oder vor allem, wenn) das Material trocken war, genoss ich die Herausforderung, die Studenten zu finden, die nicht da sein wollten und ihnen einen Grund zu geben, zurückzukommen.

Das ist etwas, worüber ich im Instructional Design sehr viel nachdenke. So hatte ich es gerade auch im Kopf, als ich auf einen kürzlich erschienenen Artikel von Paul Tough gestoßen bin. Tough argumentiert, dass Erfolg in der Bildung weniger mit Anstrengung oder angeborener Fähigkeit zu tun hat, als damit, wie befähigt sich die Studenten im Unterricht fühlen. Studenten sind dann erfolgreich, wenn sie das Gefühl haben, zu ihrer akademischen Gemeinschaft zu gehören, ihre Fähigkeiten sich verbessern, wenn sie es versuchen, und sie wissen, dass sie erfolgreich sein können, und dass ihre Arbeit einen Wert hat. Klassenlehrer müssen den Schülern helfen, an ihren eigenen Erfolg zu glauben und sich zugehörig zu fühlen, unabhängig von ihrer individuellen Vergangenheit.

Für mich ist dies eine der größten Herausforderungen des E-Learning. Wie können wir Kurse entwerfen, die Lernenden dieses Vertrauen geben, das aus diesem Gefühl der Zugehörigkeit kommt, ohne die persönliche Verbindung zu einem Lehrer im virtuellen Klassenzimmer zu haben?

Meeting_Table.png

Bei SwissVBS versuchen wir, Lernerfahrungen zu entwickeln, die ein Gefühl der Gemeinschaft erzeugen

Als Instructional Designer gibt es ein paar Wege, wie ich dieses Problem angehe. Vor allem hat es Auswirkungen darauf, wie ich interaktive Übungen entwerfe. Ich möchte die Lernenden herausfordern, aber ich möchte ihnen auch ein Gefühl von Erfolg geben. Es gibt nichts niederschmetterndes, als ein Spiel, das sich anfühlt, als sei es unmöglich zu gewinnen. Diesen dünnen Grat zwischen zu schwer und zu einfach gilt es zu finden. 

Wenn ich eine Lernerfahrung gestalte, beginne ich gerne mit ein oder zwei einfacheren Aufgaben für die Lernenden, bevor ich ihnen die anspruchsvolleren Szenarien präsentiere. Wenn die Lernenden einen frühen Erfolg erleben, kann es die Art und Weise beeinflussen, wie sie sich dem Rest des Kurses nähern. Kompetenz führt zu Vertrauen, was letztendlich wieder zu mehr Kompetenz führt. 

Außerdem glaube ich, dass die Lernenden Verantwortung für ihr Training übernehmen, wenn sie das Gefühl haben, dass es einen echten Mehrwert für ihr Leben hat. Aus diesem Grund ist eLearning dann am besten, wenn Real-Life-Anwendungen in das Design integriert sind. Das kann so einfach sein wie die Lernenden aufzufordern nach und nach eine persönliche Strategie zu vervollständigen, oder so komplex wie Text-Erkennungstechnologie es ermöglicht. Welches Medium auch immer, indem man das Material relevant macht, befähigt man  die Lernenden, weil es den Leuten das Gefühl gibt, dass ihre Arbeit wichtig ist. 

Zu guter Letzt ist einer der Vorteile von trainer-geführtem Training die Möglichkeit der Peer-Interaktion. In einer Online-Lernumgebung ist diese Möglichkeit bestenfalls begrenzt vorhanden, aus offensichtlichen Gründen. Eine Möglichkeit, dem Fehlen einer Lerngemeinschaft zu begegnen ist, einen Kurs so zu strukturieren, dass er eine Art Face-to-Face-Interaktion integriert. Dies kann einfach bedeuten, dass man Lernende auffordert ein Meeting mit einem Manager zu planen, um ihre Erfahrungen zu diskutieren und fortlaufende Unterstützung zu bekommen. Dies erfordert Unterstützung von Seiten der Organisationen, und eine Verpflichtung von uns, diese Interaktionen mit Zusatzmaterial zu unterstützen. Indem man diese Art von Wechselwirkungen erzeugt, stellt man sicher, dass das Lernen nicht nur ein einmaliger Austausch ist, sondern eine kontinuierliche Erfahrung. 

Es gibt Zeiten, in denen ich den sozialen Aspekt, vor einer Gruppe von Studenten zu stehen, vermisse. Aber als Designer, der hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hält, finde ich Trost in der Tatsache, dass ich all die Dinge, die ich im Klassenzimmer am besten konnte immer noch tun kann, auch wenn ich die Gesichter meine Schüler nicht sehen kann. Als Instructional Designer befähige ich Tausende und Abertausende von Studenten, auch wenn ich sie nie persönlich kennen werde. Und das Beste von allem ist, ich muss nie mehr korrigieren.

Fallstudie herunterladen

Themen: Online Coaching, Skills, Presence Training