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Lern-Konzepte und -Trends, von denen Ihr Geschäft profitiert

Kultur frisst Kontrolle

Gepostet von Frank Ecker am 12.04.2019 18:25:33
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Längst hat die Digitalisierung auch die Weiterbildung in Unternehmen erfasst. Wie weit, ist Ende März auf unserem zweiten St. Galler Forum Digitales Lernen deutlich geworden: Fand das klassische eLearning zunächst nur als Computer Based Training auf einem Rechner statt, erlaubte das Web Based Training den Nutzern bereits, mit beliebigen Geräten auf die in einem Netzwerk zur Verfügung gestellten Lerninhalte zuzugreifen. Mittlerweile können die Lernenden mit ihren Smartphones jederzeit von überall auf Lerninhalte zugreifen, was zwar ihren Nutzungsverhalten entspricht nicht aber unbedingt den Realitäten in den Unternehmen, in denen sie arbeiten.

Die Folge: Außerhalb der klassischen Learning Management Systeme findet das Lernen zunehmend auf Plattformen und mit Programmen statt, die ursprünglich nicht zielgerichtet zum Lernen eingeführt worden sind. Damit wird es für die Personalentwicklung schwieriger, und anspruchsvoller, die Fortbildung der eigenen Belegschaft zu steuern.

 

Lernen auf allen Kanälen

Angebote wie die Kollaborationsplattform Teams von Microsoft, Slack oder die gemeinsam zu bearbeitenden Cloud-basierten Google-Docs haben das Zeug, den angestaubten Learning Management Systemen den Rang abzulaufen. Das ist einer der zehn Trends, die Dr. Jochen Robes, Beobachter und Blogger in der Beruflichen Weiterbildung, vorgestellt hat. Unter anderem zeigte er am Beispiel der Messenger-Kampagne des Bayerischen Rundfunks, der anlässlich des einhundertsten Todestages des ersten Ministerpräsidenten über vier Monate täglich historische Nachrichten über WhatsApp und Instagram verschickte, wie Lerninhalte ganz zeitgemäß in kleinen Einheiten über Social-Media-Kanäle an eine große Gemeinschaft Interessierter Follower verschickt werden können.

Trends und Praxis glich Beate Gubler von der Novartis Academy aus eigener Erfahrung miteinander ab. Das Schweizer Pharma-Unternehmen bietet seinen Mitarbeitenden Zugriff auf umfangreiche Angebote mit Standard-Kursen von LinkedIn Learning oder Coursera an. Dabei ist der kostenlose Zugriff auf tausende Kurse allein keineswegs ein Garant für hohe Nutzungszahlen. Vielmehr bedarf es noch mehr als zuvor der Unterstützung des Managements, einer Dramaturgie und eines geschickten Kampagnenmanagements, um möglichst viele Lernenden für die für das Unternehmen wichtigen Angebote zu gewinnen.

Am Beispiel des „Digital Learning Hub“ zeigte Frau Gubler, dass eine klare Übersicht über den Lernfortschritt in einzelnen Themen und das Sammeln verschiedener Auszeichnungen bis hin zum „Digital Champion“ die Lust der Mitarbeitenden verstärken, einen Kurs bis zum Ende zu absolvieren. Durch Impulse wie eine „Events & Learning Week“ kann die Zahl der aktiven Lernenden im Unternehmen vorübergehend nahezu verzehnfacht werden.

 

Freiwillige Angebote, die Block Chain und selbst produzierte Inhalte

Freiwilliges Lernen ist auch bei der Allianz im Aufwind. Frau Dr. Diana Seibold leitete die Entwicklung des digitalen Trainings „Time Warp“, mit dem das Unternehmen seine Führungskräfte und Mitarbeiter auf die Veränderungen in der Versicherungswirtschaft vorbereitet. Weil das Training eine Gesamtlänge von rund 90 Minuten hat, ist es bewusst in fünf Modulen aufgebaut, die nicht alle auf einmal bearbeitet werden müssen. Den Erfolg, den die Allianz mit diesem Lernangebot hat, ist beachtlich: Bisher wurde „Time Warp“ mit drei Preisen ausgezeichnet, in mehrere Sprachen übersetzt und wurde von mehr als 10.000 Mitarbeitenden absolviert.

Wie die Block-Chain-Technologie genutzt werden kann, um in einem schwierig zu kontrollierbaren Markt Vertrauen in die Qualität der Angebote zu schaffen, zeigte Oliver Durrer, Gründer der Beratung SwissLeap, anhand von ODEM, einem digitalen Marktplatz zum Austausch von Lerninhalten. Patrick Veenhoff, der sich selbst als „Disrupter“ des eLearnings bezeichnet, berichtete, dass Lerninhalte, die von Kollegen selbst produziert und über soziale Netzwerke in den Firmen verbreitet werden, selbst ohne Blockchain großer Beliebtheit erfreuen.

Selbst bei der Verbreitung ganz spezifischer, eigens für ein Unternehmen produzierter Inhalte, setzen immer mehr Ausbildungs-Verantwortliche auf Freiwilligkeit und die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden für ihre eigene Weiterbildung: André Karbowski vom Pay-TV Anbieter Sky präsentierte, wie es innerhalb weniger Wochen gelungen ist, mit einem ansprechenden, für den Einsatz auf mobilen Endgeräten zugeschnittenen Lernangebot 3‘000 Verkäufern pünktlich zum Mai 2018 das neue Angebot „Sky Q“ zu vermitteln und das Verkaufsgespräch weg vom Preis hin zum Programm zu bewegen.

 

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Die Vorträge wurden um interaktive Formate wie Round Tables und Workshops ergänzt, um den Teilnehmern
den direkten Austausch mit Fach-Kollegen aus anderen Branchen und Unternehmen zu ermöglichen.

 

Digitalisierung erfasst Logistik und Universitäten

Qualität steht für Alexander Barmscheidt von nox Nachtexpress im Vordergrund: Er hat in einem Workshop aus erster Hand berichtet, wie es dem Logistik-Unternehmen gelingt, mit Lernvideos, Abfragen und dem Einsatz einer offline verfügbaren App, neue Mitarbeiter einzuarbeiten. Dazu setzt nox auf eine einfache Sprache, und bietet das Lernangebot seinen Fahrern neben Deutsch und Englisch auch in Rumänisch an.

Die Digitalisierung lässt renommierte Bildungsinstitutionen wie der Universität St. Gallen nicht außen vor. Die Universität selbst greift den Trend mittlerweile aktiv im Rahmen ihrer Weiterbildungsprogramme auf. Prof. Bruno Mascello zeigte, wie maßgeschneiderte digitale Lernformate die vorhandenen Präsenzschulungen ergänzen und wie mobiles Lernen und das Sicherstellen des Lerntransfers stetig an Bedeutung gewinnen.

 

Einhellige Forderung nach mehr Eigenverantwortung

Allen Vorträgen liegt die Forderung nach einem Wandel der Lernkultur zu mehr eigenverantwortlichem Lernen zugrunde, gleichzeitig nach kurzen, attraktiven und zielgerichteten Lernangeboten.

 Was das St. Galler Forum Digitales Lernen selbst angeht, sind wir mit der Akzeptanz sehr zufrieden: Im zweiten Jahr hatten wir bereits mehr als 50 Teilnehmer und unsere Umfrage zeigt, dass die Mischung aus Vorträgen und direktem Austausch mit Kollegen gut ankommt: zwei Drittel der Befragten wollen im kommenden Jahr sicher wieder dabei sein.

Der Termin steht bereits: 25. April 2020 im Weiterbildungszentrum der Universität St. Gallen.

 

Themen: Trade Shows & Events, Corporate Training, Trends, Mobile Learning, Culture of Learning, Digitalisierung